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Sind Autismus oder Hochsensibilität erblich? Kontextsensitivität und Gene

Kontextsensitivität hat eine klare erbliche Komponente. Forschungen zeigen, dass Unterschiede in der Informationsverarbeitung und sozialen Kognition teilweise genetisch bestimmt sind.
Baum mit neuronalen Netzwerkmustern und zwei verbundenen Figuren — Elternteil und Kind — als Symbol für die erbliche Weitergabe des Denkstils
Kontextsensitivität wird nicht durch ein einzelnes Gen weitergegeben, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel von Genen, Umwelt und Verarbeitung — von Generation zu Generation.

Kontextsensitivität hat eine klare erbliche Komponente. Forschungen zeigen, dass Unterschiede in der Informationsverarbeitung und sozialen Kognition teilweise genetisch bestimmt sind.

Wie stark ist die Erblichkeit?

Zwillingsstudien schätzen die Erblichkeit von Autismus auf 64–91 %.3 Eine große schwedische Kohortenstudie kam auf etwa 83 %.4 Für ADHS liegt die Erblichkeit bei rund 74 %,5 und für Hochsensibilität — gemessen als environmental sensitivity — bei etwa 0,47.6 Kontextsensitivität hat also eine erhebliche genetische Komponente, während die Umwelt mitbestimmend bleibt.

Komplexe Vererbung

Vererbung ist keine einfache 1-zu-1-Übertragung.

Anziehung

Niedrig-kontextuelle Menschen ziehen oft andere niedrig-kontextuelle Menschen an.

Fallbeispiel

Eine Mutter mit Borderline-Zügen und ein Vater mit narzisstischen Zügen haben ein Kind, das sich zurückzieht und eine soziale Phobie entwickelt. Der erste Reflex des Betreuers ist, dies als Ergebnis eines Kindheitstraumas zu sehen. Es lässt sich jedoch auch durch einen erblichen niedrig-kontextuellen Stil des Kindes selbst erklären.

Bedeutung für die Therapie

Für die Begleitung ist es entscheidend, diese Unterscheidung zu treffen:

Hoch-Kontextuelle als Helfer

Kontextualisierer (hoch-kontextuelle Menschen) werden oft davon angezogen, niedrig-kontextuelle Menschen zu unterstützen.

Referenzen

  1. Happé, F., Briskman, J., & Frith, U. (2001). Exploring the cognitive phenotype of autism: weak central coherence in parents and siblings. PubMed 11321199
  2. Mu, C., Dang, X., & Luo, X. J. (2024). Mendelian randomization analyses reveal causal relationships between brain functional networks and risk of psychiatric disorders. PubMed 38724650
  3. Tick, B., Bolton, P., Happé, F., Rutter, M., & Rijsdijk, F. (2016). Heritability of autism spectrum disorders: a meta-analysis of twin studies. PubMed 26709141
  4. Sandin, S., Lichtenstein, P., Kuja-Halkola, R., Hultman, C., Larsson, H., & Reichenberg, A. (2017). The heritability of autism spectrum disorder. PubMed 28973605
  5. Faraone, S. V., & Larsson, H. (2019). Genetics of attention deficit hyperactivity disorder. PubMed 29892054
  6. Assary, E., Zavos, H. M. S., Krapohl, E., Keers, R., & Pluess, M. (2021). Genetic architecture of Environmental Sensitivity reflects multiple heritable components: a twin study with adolescents. PubMed 32488124