Kontextsensitivität und Vererbung
Kontextsensitivität hat eine klare erbliche Komponente. Forschungen zeigen, dass Unterschiede in der Informationsverarbeitung und sozialen Kognition teilweise genetisch bestimmt sind.
Komplexe Vererbung
Vererbung ist keine einfache 1-zu-1-Übertragung.
- Es handelt sich meist um viele kleine genetische Varianten, die zusammen einen Unterschied in der Kontextverarbeitung ausmachen.
- Deshalb sieht man oft Variation innerhalb derselben Familie: einer mehr niedrig-kontextuell, der andere mehr hoch-kontextuell.
Anziehung
Niedrig-kontextuelle Menschen ziehen oft andere niedrig-kontextuelle Menschen an.
- Sie erkennen die direkte Denkweise des anderen.
- Dies kann zu Paaren führen, bei denen Rigidität oder Kontextblindheit verstärkt wird.
Fallbeispiel
Eine Mutter mit Borderline-Zügen und ein Vater mit narzisstischen Zügen haben ein Kind, das sich zurückzieht und eine soziale Phobie entwickelt. Der erste Reflex des Betreuers ist, dies als Ergebnis eines Kindheitstraumas zu sehen. Es lässt sich jedoch auch durch einen erblichen niedrig-kontextuellen Stil des Kindes selbst erklären.
Bedeutung für die Therapie
Für die Begleitung ist es entscheidend, diese Unterscheidung zu treffen:
- Wenn alles auf Trauma reduziert wird, wird der Denkstil des Kindes missverstanden.
- Wenn Vererbung und Kontextblindheit einbezogen werden, kann die Therapie besser auf die Realität des Patienten/Klienten abgestimmt werden.
Hoch-Kontextuelle als Helfer
Kontextualisierer (hoch-kontextuelle Menschen) werden oft davon angezogen, niedrig-kontextuelle Menschen zu unterstützen.
- Dies kann aus Wiedererkennung entstehen (z.B. ein Bruder oder eine Schwester in der Familie).
- Sie erleben Befriedigung darin, explizit Struktur und Kontext bereitzustellen.