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Mehr Diagnosen, weniger Kontextualisierung

In den letzten Jahren haben wir einen starken Anstieg bei Autismus-Diagnosen und anderen psychiatrischen Klassifikationen beobachtet. Ein wichtiger Teil davon lässt sich damit erklären, dass in Gesellschaft und Versorgung immer weniger Aufmerksamkeit auf den Kontext gelegt wird.
Fragmentierte Gesellschaft mit Druck, Information und weniger Halt
Wenn stabile Rahmen und soziale Unterstützung schwächer werden, erscheinen Unterschiede in der Kontextsensitivität schneller als Probleme in Form von Diagnosen.

In den letzten Jahren haben wir einen starken Anstieg bei Autismus-Diagnosen und anderen psychiatrischen Klassifikationen beobachtet. Ein wichtiger Teil davon lässt sich damit erklären, dass in Gesellschaft und Versorgung immer weniger Aufmerksamkeit auf den Kontext gelegt wird.

Zwei strukturelle Ursachen

Folge

Die Zahl der Menschen mit Kontextblindheit bleibt relativ konstant, aber:

Kritische Anmerkung

Mehr Diagnosen bedeuten nicht automatisch, dass es „mehr Autismus" oder „mehr Depression" gibt. Es könnte genauso gut auf eine Gesellschaft hinweisen, die Unterschiede in der Kontextsensitivität weniger berücksichtigt.

Fazit

Überdiagnose entsteht, wenn wir zu wenig kontextualisieren. Je mehr wir Kontext in Versorgung und Gesellschaft integrieren, desto weniger besteht Bedarf an psychiatrischen Labels.

Siehe auch: LinkedIn-Artikel von Koen Thomeer: Mehr ASS-Anfragen, weniger Kontext

Referenzen

  1. Fabiano, F., & Haslam, N. (2020). Diagnostic Inflation in the DSM: A Meta-Analysis of Changes in the Stringency of Psychiatric Diagnosis from DSM-III to DSM-5. PubMed 32736153
  2. Roman-Urrestarazu, A., Yang, J. C., van Kessel, R., et al. (2022). Autism incidence and spatial analysis in more than 7 million pupils in English schools: a retrospective, longitudinal, school registry study. PubMed 36302393
  3. Ormel, J., et al. (2022). More Treatment but No Less Depression: The Treatment-Prevalence Paradox. PubMed 34959153