Sehr starkes erstgradiges Denken

Sehr starkes erstgradiges Denken
Um Ereignisse zu relativieren, braucht man Kontext. Wer diese Fähigkeit vermisst, bleibt oft in seinem ersten Gedanken oder seiner ersten Überzeugung stecken. Wir nennen das sehr starkes erstgradiges Denken.
Es ist ein Kontinuum: von starren Überzeugungen über obsessive Gedanken zu psychotischen Erfahrungen und letztlich Schizophrenie.
Starrheit und feste Überzeugungen
Bei sehr starkem erstgradigem Denken wird die erste Interpretation wiederholt bestätigt. Beispiele:
- Jemand, der in seiner Jugend lernte, dass „Frauen nicht vertrauenswürdig sind", sieht später jedes Problem in Beziehungen als Beweis für diese Idee.
- In extremer Form führt dies zu Bewegungen wie den Incels: Männer, die Enttäuschungen in Beziehungen als Beweis dafür umdeuten, dass alle Frauen schlecht oder manipulativ sind.
- Religiöse Überzeugungen können sich ebenfalls auf diese Weise verhärten: „Wir haben die Wahrheit, der Rest der Welt nicht." Jeder Konflikt mit Nichtgläubigen wird so zur Bestätigung des Rechthabens.
Von Starrheit zu obsessiven Gedanken
Wenn Starrheit stärker wird, entstehen obsessive Gedanken. Beispiele:
- Die Überzeugung, jemanden dazu verleiten zu können, beim Jugendwochenende die Finger in eine Steckdose zu stecken, weshalb man sich gar nicht erst traut hinzugehen.
- Die Überzeugung, dass ein Kollege Betrug begeht; jedes kleine Detail scheint diesen Verdacht zu bestätigen.
- Die Überzeugung, dass der Partner fremdgeht.
- Die Überzeugung, eine schwere Krankheit zu haben (Hypochondrie).
- Die Überzeugung, zu schwer zu sein, was zu Anorexie führen kann.
- Mysophobie und Zwangsstörung (OCD).
Zu Psychose und Schizophrenie
Wenn der Zwang zu stark wird, kann die Realität selbst beginnen, sich zu verzerren.
- Sinne sind weitgehend kontextabhängig. Wenn dieses System gestört wird, können Geräusche, Bilder oder Gerüche fehlinterpretiert werden.
- Am Anfang realisiert man manchmal noch, dass dies nicht real ist.
- Allmählich verschwimmt diese Unterscheidung.
- Wenn die Verzerrung dauerhaft wird, sprechen wir von Schizophrenie.
Zusammenfassung
Sehr starkes erstgradiges Denken kann daher zu einer gleitenden Skala führen: von starren Überzeugungen → zu obsessiven Gedanken → zu Psychose → und letztlich Schizophrenie.
Der gemeinsame Faktor ist der Mangel an Kontextsensitivität, der dazu führt, dass jemand immer tiefer in einer einseitigen Interpretation der Realität stecken bleibt.