Beispiele für kontextarmes Denken
Allgemein

Kontextarmes Denken ≠ dumm.
Es gibt viele Menschen, die kontextarm denken und trotzdem im Leben erfolgreich sind. Bekannte Beispiele sind Donald Trump, Mark Zuckerberg und Elon Musk. Sie sind stark im erstgradigen Denken und können daher schnelle Schlussfolgerungen ziehen.
Das hat Vorteile (Zielorientierung, Überzeugungskraft, Einfachheit), hat aber langfristig oder für das Umfeld oft auch eine Kehrseite.
Positive Konsequenzen
- sehr zielorientiertes Arbeiten
- weniger gehemmt durch soziale Empfindlichkeiten
- phänomenales Gedächtnis, das beispielsweise gegenüber einem Vorstand überzeugend wirken kann
- eindimensionales, konkretes Denken, dem alle leicht folgen können
- weniger Unsicherheit, da der Kontext oder die Interpretation durch andere nicht berücksichtigt wird
Berufe
Einige Bereiche oder Berufe sind für kontextarme Denker interessant:
- Unternehmensführer – ergebnisorientiert, wenig Rücksicht auf andere
- Künstler – originelle eigene Ideen, zielorientiert
- Anwälte – auf Details aus, unempfindlich gegenüber den Gefühlen der Gegenseite
- Lehrer – Schwarz-Weiß-Welt, im Klassenraum dürfen sie „immer" recht haben
- Erfinder – originell, zielorientiert, wenig Rücksicht auf andere
- Politiker – zielorientiert, großes Ego erlaubt, denken oft eindimensional
- Priester und Prediger – Schwarz-Weiß-Wahrheit (Bibel), blind geschätzt auch bei Fehlern, große Projekte möglich
- (Solo-)Wettkampfsportler – zielorientiert, weniger bewusst für Körpersignale
- Radiologen – detailorientiert, aber weniger Bedarf an menschlichem Kontakt
Egozentrisches Denken
Siehe egozentrisches Denken. Kurz gesagt: ≠ Egoismus, kann aber dazu führen. Merkmale:
- Schwierigkeiten mit langfristigen Konsequenzen von Handlungen
- Schwierigkeiten mit den Empfindlichkeiten anderer
- Ausgangspunkt = eigene Schlussfolgerungen (erstgradiges Denken)
Fallbeispiel
Eine Frau denkt, ihrem Mann würde es gefallen, wenn sie ihn unerwartet mit den Kindern an seinem Arbeitsplatz besucht. Sie berücksichtigt nicht, dass die Kinder (mit Autismus) während der Rushhour eine Stunde im Auto sitzen müssen und völlig überstimuliert ankommen. Das Ergebnis: Kinder und Mutter überstimuliert, der Mann muss die Arbeit unterbrechen, um die Situation zu retten. Die Absicht war gut, die Wirkung nicht.
Fallbeispiel
Sie erheben die Stimme, um Aufmerksamkeit zu erregen oder Ihren Standpunkt durchzusetzen. Sie merken nicht, dass dies für den anderen unangenehm ist und dass Sie wichtige Informationen verpassen. Langfristig führt dies entweder zu Streitgesprächen oder zum vollständigen Vermeiden von Gesprächen.
Fallbeispiel
Ein Gespräch unterbrechen, um sofort die eigene Idee zu teilen. Dies ignoriert die Empfindlichkeiten des anderen und kann Irritation oder Distanzierung verursachen.
Transaktionales Verhalten
Siehe transaktionales Verhalten. Bei kontextarmem Denken beobachtet man häufig transaktionales Verhalten: „Ich tue X, damit du Y tust." Die Nuance oder die zugrunde liegende Gegenseitigkeit verschwindet zugunsten eines direkten Austauschs.
Fallbeispiel
Eine kontextarme Person übt Kritik. Später tut der andere etwas Unerwartetes (z. B. die Geschirrspülmaschine nicht ausräumen). Der erste denkt: „Das ist eine Reaktion auf meine Kritik." Kontext wie Vergesslichkeit oder Ablenkung wird nicht berücksichtigt.
Fallbeispiel
Ein Partner beschuldigt Sie der Untreue, weil er/sie transaktional denkt: „Du tust etwas → das bedeutet X, weil das bei mir so funktioniert."
Fallbeispiel
Eine Frau lässt die Luft aus den Fahrradreifen ihres Mannes, damit er das Auto nehmen muss. So nimmt er ihren Sohn mit, und sie muss ihn nicht zur Schule bringen.