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Begleitung und Behandlung

Eine niedrig-kontextuelle Person lässt sich nicht einfach hoch-kontextuell machen. Die Begleitung zielt daher nicht auf „Veränderung der Persönlichkeit", sondern auf Stärkung der Resilienz.
Begleitung durch Bewegung und Struktur in einer ruhigen, sicheren Umgebung
Gute Begleitung versucht nicht, jemanden zu einem anderen Menschen zu machen, sondern schafft Sicherheit, Struktur und Aktivitäten, die dem Gehirn beim Reset helfen.

Eine niedrig-kontextuelle Person lässt sich nicht einfach hoch-kontextuell machen. Die Begleitung zielt daher nicht auf „Veränderung der Persönlichkeit", sondern auf die Stärkung der Resilienz und die Verringerung von Leid.

Grundprinzipien

Fallbeispiel

Ein Student war während des Schuljahres sehr ängstlich und steckte ständig in grübelnden Gedanken und zwanghaftem Kontrollieren (OCD) fest.

Laut der Mutter verschwanden diese Beschwerden während der Prüfungszeit jedoch vollständig.

Der Grund: Während der Prüfungen war der Student gezwungen, aktiv zu handeln und sich auf konkrete Aufgaben zu konzentrieren. Das ständige „mentale Grübeln" wurde durch die externe Struktur und den Druck der Prüfung unterbrochen.

Dieses Beispiel zeigt, wie „aktives Tun" als Reset für hartnäckiges Denken und Angst wirken kann.

Fallbeispiel

Ein Hausarzt überweist niedrig-kontextuelle Patienten/Klienten mit psychotischen Beschwerden ins Fitnessstudio (Basic-Fit).

Die körperliche Aktivität und die klare Struktur unterbrechen das hartnäckige Denken.

Die Patienten/Klienten erleben das Fitnesstraining als positiv und hilfreich. Dank dieses Ansatzes konnte die Dosierung von Antipsychotika reduziert werden.

Dies verdeutlicht, dass „aktives Tun" nicht nur Angst durchbrechen, sondern auch einen therapeutischen Effekt auf psychotisches Denken haben kann.

Medikamentöse Unterstützung

In bestimmten Situationen können Medikamente nützlich sein, insbesondere zur Behandlung von Sekundärbeschwerden:

Paarbegleitung: vom Genderbild zur Denkstilabstimmung

In der Paarbegleitung taucht häufig eine Erklärung auf, die Begleitende und Klienten gemeinsam verwenden, ohne sie zu hinterfragen: dass Konflikt und Unverständnis durch den Unterschied zwischen Männern und Frauen entstehen.

Dieses Bild bietet wenig Halt in der Begleitung. Es stellt Verhalten als natürliche Gegebenheit dar, während das, was zwischen Partnern passiert, oft von etwas anderem abhängt: wie jeder die Welt liest, wie sicher sich jeder in der Nähe fühlt, wer Veränderung möchte und welche Position jeder in der Beziehung einnimmt. Das sind alles Ansatzpunkte, mit denen man wirklich etwas anfangen kann.

Ein fruchtbarerer Ausgangspunkt ist gegenseitige Abstimmung: das Ausmaß, in dem jeder Partner spürt, wie der andere die Situation liest, Informationen verarbeitet und Bedeutung gibt (Reis, Clark & Holmes, 2004). Das funktioniert sowohl bei Paaren ohne als auch mit Autismus oder einem anderen neurodiversen Profil (Yew, Hooley & Stokes, 2023). Die Frage verschiebt sich dann von "Wer von euch kommuniziert falsch?" zu "Wie liest jeder von euch diese Situation, und wie stimmt ihr euch darauf ab?"

Eine Unterscheidung bleibt notwendig. Probleme rund um Kommunikation und Intimität sind oft Denkstilangelegenheiten. Eine ungleiche Verteilung von Sorgearbeit, gedanklicher Haushaltsplanung und Macht ist das nicht (Daminger, 2019; Ervin et al., 2022). Beides gehört in der Begleitung besprochen zu werden. Wer alles auf Denkstil reduziert, übersieht die strukturelle Seite. Wer alles auf Gender oder Macht reduziert, übersieht die Denkstilseite.

Siehe auch Denkstil, nicht Gender für die Grundlagen aus der Forschung.

Fazit

Die Begleitung konzentriert sich auf:

Die Kernbotschaft: nicht versuchen, eine niedrig-kontextuelle Person in eine hoch-kontextuelle umzuwandeln, sondern gemeinsam nach Wegen suchen, besser mit den Spannungen zwischen Individuum und Umfeld umzugehen.

Referenzen

  1. Vermeulen, P. (2015). Context Blindness in Autism Spectrum Disorder: Not Using the Forest to See the Trees as Trees. Focus on Autism and Other Developmental Disabilities, 30(3), 182–192. doi:10.1177/1088357614528799
  2. Wolf, N., van Oppen, P., Hoogendoorn, A. W., van den Heuvel, O. A., van Megen, H. J. G. M., Broekhuizen, A., et al. (2024). Inference-Based CBT versus CBT for OCD: A Multisite Randomized Controlled Non-Inferiority Trial. Psychotherapy and Psychosomatics, 93(6), 397–411. doi:10.1159/000541508PubMed 39427635 — de non-inferiority bleef inconclusief, maar de verdraagbaarheid was significant beter.
  3. Aardema, F., Bouchard, S., Koszycki, D., Lavoie, M. E., Audet, J. S., & O'Connor, K. (2022). Evaluation of inference-based cognitive-behavioral therapy for obsessive-compulsive disorder: a multicenter randomized controlled trial with three treatment modalities. Psychotherapy and Psychosomatics, 91(5), 348–359. doi:10.1159/000524425PubMed 35584639
  4. Campbell, C., Kumpasoğlu, G. B., & Fonagy, P. (2024). Mentalizing, Epistemic Trust, and the Active Ingredients of Psychotherapy. Psychodynamic Psychiatry, 52(4), 435–451. doi:10.1521/pdps.2024.52.4.435PubMed 39679701