Was ist Kontext?

Allgemeine Bedeutung

Das Wort Kontext stammt vom lateinischen contexere, was „zusammenweben" bedeutet. Kontext bezeichnet den breiteren Hintergrund, in dem Ereignisse, Wörter oder Verhaltensweisen ihre Bedeutung erlangen. Derselbe Satz kann völlig unterschiedlich verstanden werden, je nachdem, wer ihn sagt, wann und unter welchen Umständen.

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Neuropsychologische Bedeutung

Unser Gehirn funktioniert nicht wie eine Kamera, die die Realität neutral aufzeichnet. Es arbeitet als Vorhersagemaschine: Es nutzt Kontext, um eingehende Reize zu interpretieren und ihnen Bedeutung zuzuweisen. Nach Karl Friston (The Free Energy Principle, 2010) arbeitet das Gehirn kontinuierlich daran, die Lücke zwischen Erwartung und Wahrnehmung zu minimieren.

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Beispiel 1: die Cola-Dose

Eine Cola-Dose kann in Graustufen gezeigt werden, und trotzdem erlebt sie fast jeder noch als rot. Das Gehirn ergänzt fehlende Informationen automatisch mithilfe von Kontext und Gedächtnis. Was wir „sehen", ist daher teils Wahrnehmung, teils Vorhersage.

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Beispiel 2: Die Monkey Business Illusion

Ein weiteres berühmtes Experiment von Daniel Simons zeigt, dass Kontext auch unsere Aufmerksamkeit lenkt. Die Zuschauer werden gebeten zu zählen, wie oft ein Ball gepasst wird, und infolgedessen bemerken sie oft nicht, dass eine Person in einem Gorillakostüm durch die Szene läuft. Aufmerksamkeit wird also vollständig durch den Kontext der Aufgabe geprägt.

Siehe: The Monkey Business Illusion (YouTube).

Kontext im Zeitverlauf

Kontext ist nicht nur das, was gerade um uns herum geschieht. Er umfasst auch:

Indem unser Gehirn diese drei Zeitdimensionen kontinuierlich kombiniert, schafft es einen nützlichen und oft effizienten Rahmen für das Verstehen der Realität und schnelles Handeln.

Die Bedeutung von Kontext

Ohne Kontext kann Kommunikation nicht existieren. Ein Wort oder eine Geste gewinnt erst innerhalb eines Ganzen von Situationen, Signalen und Erwartungen Bedeutung. Kontext macht unsere Interpretationen reicher und schneller, aber gleichzeitig auch komplexer.

Weiter

Für die Variation im Umgang der Menschen mit Kontext, siehe Das Spektrum der Kontextsensitivität. Für die Gefahr anzunehmen, dass andere so denken wie wir, siehe Der Denkspiegel-Effekt.