Das Problem des Grundvertrauens
Vertrauen ist nicht greifbar. Es entsteht aus Erwartungen, wiederholten Erfahrungen, sozialen Hinweisen und der Interpretation von Absichten. Bei niedrig-kontextuellem Denken ist dieser Prozess oft schwierig, so dass das Grundvertrauen fragil bleibt.
Schwierigkeiten im niedrig-kontextuellen Denken
- Schwierigkeiten, Absichten hinter Verhaltensweisen zu spüren → Interpretation erfolgt hauptsächlich wörtlich.
- Geringe Toleranz für mehrdeutige oder inkonsistente Signale → Vertrauen bricht schnell bei Abweichungen zusammen.
- Begrenzte Perspektivenwechsel → schwierig zu denken: „vielleicht hat er es nicht so gemeint."
- Schwierigkeiten mit der Mustererkennung über die Zeit → jedes Ereignis ist stärker isoliert.
- Erwartungen erfüllen sich nicht von selbst → Vertrauen muss immer wieder neu bestätigt werden.
Beispiele
Fallbeispiel
Ein Freund antwortet einmal nicht auf eine Nachricht. Die niedrig-kontextuelle Person schließt sofort: „Er hat kein Interesse mehr." Es gibt keinen Raum, den Kontext zu berücksichtigen (beschäftigt, vergessen, andere Priorität). Das Vertrauen bricht sofort zusammen.
Fallbeispiel
Ein Partner sagt: „Ich vertraue dir." Die niedrig-kontextuelle Person erlebt dies nur in diesem Moment. Da Schwierigkeiten bestehen mit Zeitverläufen und der Verknüpfung von Verhalten über einen längeren Zeitraum, muss dieses Vertrauen immer wieder explizit bestätigt werden.
Vertrauen im Laufe der Zeit
Im Wesentlichen entsteht Vertrauen durch:
- Mustererkennung im Verhalten über einen längeren Zeitraum,
- Integration von Vergangenheit, Gegenwart und Erwartungen für die Zukunft.
Da niedrig-kontextuelle Menschen Schwierigkeiten mit dieser Art von Integration haben, erleben sie Vertrauen als etwas, das immer wieder neu hergestellt werden muss. Grundvertrauen ist daher schwer aufzubauen und bleibt bei kleineren Störungen anfällig.
Weiteres
Siehe auch Persönlichkeitsstörungen für die Folgen von fragilem Grundvertrauen in den DSM-Klassifikationen.